In einer aktuellen Debatte hat Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) die Kirchen in Deutschland als „NGOs“ kritisiert und ihnen geraten, sich aus politischen Diskussionen herauszuhalten. Für den Grünen-Kreisvorsitzenden Saarpfalz und Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat St. Ingbert, Rainer Keller ist diese Äußerung ein Tiefpunkt im christlich-demokratischen Selbstverständnis der CDU.
„Ich bin Grüner – und katholisch! In meiner Kirche engagiert! Und das ganz bewusst! Die Bewahrung der Schöpfung, die Solidarität mit Schwachen und der Einsatz für Gerechtigkeit sind für mich sowohl politische als auch zutiefst christliche Anliegen“, so Keller. „Wenn Frau Klöckner nun den Kirchen ihre Stimme in gesellschaftlichen Fragen abspricht, stellt sie sich gegen den Kern christlicher Verantwortung.“
Als aktives Mitglied der katholischen Pfarrei Heiliger Ingobertus kennt Keller das Engagement der Kirchen vor Ort: „Gerade die Kirchen sind es, die sich in der Flüchtlingshilfe, in sozialen Brennpunkten, in der Klimakrise oder beim Einsatz für den Frieden tagtäglich engagieren – aber noch weit über diese Bereiche hinaus in der tagtäglichen Seelsorge, mit ihren Kindergärten in der frühkindlichen Betreuung und Bildung, in der Trauerarbeit in Familien! Wer das als NGO-Aktivismus abtut, offenbart ein zutiefst reduziertes Kirchenbild – die Kirche als moralische Staffage, aber bitte ohne Mitgestaltung.“
Keller kritisiert, dass ausgerechnet führende Vertreterinnen und Vertreter der CDU die Kirchen nur dann verteidigen, wenn sie vermeintlich konservative Positionen stützt – aber sie diffamieren, wenn sie für soziale Gerechtigkeit oder Klimaschutz eintreten: „Diese selektive Empörung ist scheinheilig. Christliche Politik bedeutet nicht, dass die Kirche brav Beifall klatscht – sondern dass sie den Finger in die Wunde legt.“
Die Trennung von Kirche und Staat sei wichtig, betont der Grüne Kreisvorsitzende. „Aber wer meint, Kirche dürfe sich nicht mehr zu gesellschaftlichen Fragen äußern, der will keine Trennung – sondern politische Entmündigung der Religionen. Das ist keine christlich-demokratische, sondern eine gefährlich autoritäre Denke, die einer Bundestagspräsidentin absolut unwürdig ist!“.
Abschließend betont Keller: „Frau Klöckners Worte sind nicht nur ein Affront gegen die Kirchen – sie sind auch ein Angriff auf all jene, die ihren Glauben ernst nehmen. Christlich ist das nicht. Die CDU sollte ernsthaft über eine Namensänderung nachdenken“.